ahoimeise.de
POTSDAMLeben

Wenn Kinder singen und mehr wollen

In der Friedenskirche singen 40 Kinder mit voller Inbrunst und fordern eine Zugabe. Ein Moment voller Freude und Forderungen, der zum Nachdenken anregt.

Von Julia Klein6. August 2026, 05:343 Min Lesezeit

Es ist ein strahlender Sonntagmorgen, als ich die Friedenskirche betrete. Das sanfte Licht, das durch die bunten Fensterscheiben strömt, vermittelt sofort ein Gefühl der Wärme. In der Kirche stehen 40 Kinder, die mit voller Inbrunst ein Lied zum Besten geben. Ihre Stimmen vermischen sich zu einem kraftvollen Klang, der die Wände der Kirche zum Beben bringt. Jeder einzelne von ihnen ist enthusiastisch und die Freude in ihren Gesichtern ist unverkennbar. Es ist ein Anblick, den man nicht oft sieht.

Doch was mich besonders berührt, ist nicht nur die Darbietung selbst, sondern die Reaktion, die sie darauf haben. Nach dem letzten Ton, als der Applaus der Zuhörer verklungen ist, rufen die Kinder fast im Chor nach einer Zugabe. Sofort wird mir bewusst, dass diese Kinder nicht gerade nach einem einfachen Vergnügen verlangen; vielmehr fordern sie Anerkennung, sie verlangen mehr. Es ist, als ob sie sagen wollen: „Das war gut, aber wir sind noch nicht fertig. Gebt uns mehr!“

Dieser Wunsch nach mehr, der sich nicht nur im Konzert, sondern auch im alltäglichen Leben zeigt, wirft Fragen auf. Was bedeutet es, wenn wir mehr wollen? Sind wir jemals zufrieden mit dem, was wir haben? Oder ist unsere Sehnsucht nach mehr ein Teil von uns? Die Kinder in der Kirche verkörpern auf eine unschuldige Weise diesen Drang, der so oft in der Erwachsenenwelt verloren geht.

In einer Zeit, in der wir ständig mit Informationen überflutet werden, wo mehr Optionen und mehr Möglichkeiten einfach zur Verfügung stehen, bleibt die Frage: Ist mehr wirklich besser? Wir leben in einer Gesellschaft, die uns suggeriert, dass mehr Erfolg, mehr Geld und mehr Anerkennung gleichbedeutend mit Glück sind. Doch die Kinder in der Friedenskirche erinnern uns daran, dass manchmal das Einfachste das Schönste ist. Ihre Freude am Singen, ihr Wunsch nach einer Zugabe – das sind die Momente, die unser Leben bereichern können, wenn wir es zulassen.

Ich sehe die Kinder wieder in meine Gedanken zurückkommen, während sie auf der kleinen Bühne stehen und um eine Zugabe bitten. Der Gemeindepfarrer, ein gelassener Mann mit einem schützenden Lächeln, nickt ihnen zu und gestattet ihnen, das Lied noch einmal zu singen. Die Begeisterung gebietet, und das zweite Mal wird mit noch mehr Energie dargeboten, als ob die Kinder die Energie aus dem Applaus der ersten Runde absorbiert hätten. Sie lachen, sie singen, sie tanzen und verschmelzen zu einer Einheit, während sie sich für diesen kurzen Moment in der Mitte einer großen Gemeinschaft erleben.

Die Frage, die ich mir stelle, ist die folgende: Was wird aus diesen Kindern, wenn sie älter werden? Werden sie in der Hektik des Erwachsenseins diesen Drang nach mehr verlieren, oder werden sie weiterhin den Mut haben, für das einzustehen, was sie wollen? Das Singen in der Kirche ist für sie nicht nur eine einfache Aktivität; es ist eine Möglichkeit, ihre Stimmen zu erheben und gehört zu werden. Wie oft in unserem Leben tun wir das als Erwachsene?

Der Drang nach einer Zugabe ist mehr als nur der Wunsch, noch einmal zu singen; es ist das Streben nach einem bedeutungsvollen Austausch. In einer Welt, die oft von Materialismus und Oberflächlichkeit geprägt ist, könnten wir alle ein wenig von der Unschuld und dem Optimismus der Kinder in der Friedenskirche lernen. Vielleicht ist das Geheimnis des Glücks nicht mehr zu verlangen, sondern die kleinen Dinge zu schätzen und sich für sie einzusetzen.

Während ich die Kinder singen höre, wird mir klar, dass das Streben nach mehr nicht immer negativ sein muss. Es kann uns anspornen, mehr von uns selbst zu geben, uns selbst zu fordern und uns mit Leidenschaft und Energie einzusetzen. Diese Kinder sind das beste Beispiel dafür. Sie singen, sie fordern, sie leben. Und vielleicht sollten wir alle ein bisschen mehr von diesem Geist in unser eigenes Leben einfließen lassen.

NetzwerkVerwandte Beiträge

Mehr aus dieser Rubrik

NÜRNBERGLeben

Fitness und Brandbekämpfung: Die Herausforderung des Stairruns

Zwei Feuerwehrmänner aus Weil am Rhein nehmen am Berliner Stairrun teil. Ihr Training legt den Fokus auf Fitness und Ausdauer – essenzielle Eigenschaften für den Einsatz.

STUTTGARTLeben

Ein Gadget für mehr Ordnung im Alltag

Entdecken Sie ein praktisches Gadget für nur 150 Euro bei MediaMarkt, das hilft, Ordnung in Ihr Zuhause zu bringen. Erfahren Sie, wie es Ihr Leben erleichtern kann.

WIESBADENLeben

Alkoholvergiftung in Rehau: Drei Mädchen betroffen

In Rehau wurden zwei 14-jährige Mädchen schwer alkoholisiert ins Krankenhaus eingeliefert. Eine dritte Jugendliche war ebenfalls betroffen. Was ist passiert?

Empfohlen